Zweifel und Überzeugung

«Bei der umstrittenen Internetseite handelt es sich laut dem Betreiber angeblich um 'reine Satire'». – Das könnte man so sagen, wenn der Betreiber zweifelnd einen Dritten zitiert hätte. Um als Schreibende(r) seinen Zweifel auszudrücken, muss man anders formulieren, z.B.: «Die Internetseite sei 'reine Satire', behauptet der Betreiber.»

«'Tot ist eine Sprache erst, wenn keine Veränderungen mehr zugelassen werden', ist Margot überzeugt.» – Seine Überzeugung, die sich ja nie zweifelsfrei feststellen lässt, ist hier nicht das Thema – vielmehr seine Äusserung, also hat er es «gesagt» (oder Synonym), vielleicht «nachdrücklich».

«Ein Mensch könne zweifellos an einen lenkenden Gott glauben und gleichzeitig Evolutionist sein, war Darwin überzeugt.» – So ists richtig: Der (vorangestellte) Nebensatz beschreibt die Überzeugung, nicht eine bestimmte Äusserung. Worauf der Autor seine Erkenntnis stützt, sagt er nicht ausdrücklich, aber aus dem Zusammenhang ergibt sich, dass er Darwins Äusserungen intensiv studiert hat.

© Daniel Goldstein