Taten statt Worte

«Man habe schon des Öfteren ähnliche Probleme gehabt und sie immer überwunden, klopften sie sich auf die Schulter.» – Ein herrliches Beispiel für die verbreitete Unsitte, den Leuten Taten in den Mund zu legen: Der Satz beginnt mit einer Äusserung, aber dann wird uns wider Erwarten nicht mitgeteilt, wer sie getan hat. Vielmehr müssen wir das aus einer Schilderung ableiten, die sich auf den Zweck (oder sonst einen Umstand) der Äusserung bezieht.

Also: Beginnt ein Satz mit einem Zitat (direkt oder indirekt), so muss ein Verb der Äusserung folgen. Es darf durchaus ein phantasievolles sein; das angeführte Beispiel ist in Ordnung, wenn sich die Leute Morsezeichen auf die Schulter klopfen.

«'Es ist, als würde man mit den Füssen im Wasser stehen', vergleicht N. die Situation für seine Beerenstauden.» – «Vergleichen» kann ein Verb der Äusserung sein, aber hier taucht ein weiteres Problem auf: Der Nebensatz mit der Äusserung ist das Objekt des Verbs «vergleichen» – und dann folgt noch ein weiteres, ganz anders geartetes Objekt: «die Situation». Das stört den Lesefluss.

Besser wäre:

Trennung: «Es ist, als stünde man im Wasser.» So vergleicht N. ...

Umstellung: Für die Situation seiner Stauden greift N. zu einem Vergleich: «Es ist, ...»

Ein «so» einzuschieben, empfiehlt sich auch für gängige Formeln wie «Es reiche jetzt, begründete er seinen Protest» oder «'Freude herrscht', zitierte Sämi Dölf».

© Daniel Goldstein