Wo Sparsamkeit keine Tugend ist

Ähnlich janusköpfig wie Verben mit Doppelfunktion (siehe vorheriges Sprachhäppchen) treten zuweilen Pronomen auf, die in verschiedenen Fällen gleich lauten: «Er betrat das Haus, das ihm gefiel und er gesucht hatte.» Auch hier ist die Wiederholung zwingend: «... und das er gesucht hatte». Der Duden meint dazu: «Gleich lautende Relativpronomen dürfen nur dann erspart werden, wenn sie im Kasus übereinstimmen.» («Richtiges und gutes Deutsch», 4. Aufl., S. 236)

Ebenso störend ist es, wenn ein Reflexivpronomen eine Doppelrolle spielen soll: «Bald hatte er genug Geld zusammen, um sich Werkzeug zu kaufen und in einer Werkstatt einzumieten.» Einmal steht «sich» im Dativ (wem wird etwas gekauft?) und einmal gehörts als Akkusativ zum reflexiven Verb, also muss es wiederholt werden. Noch besser: Man ändert ein Verb, sodass sich das Pronomen echt einsparen lässt: «... um sich Werkzeug zu kaufen und eine Werkstatt zu mieten».

Sinngemäss gilt die Sparbremse auch für Artikel: «Das ist eine Frechheit und lasse ich mir nicht bieten.» «Das» soll hier gleichzeitig im Nominativ und im Akkusativ stehen – ein unzumutbarer Stress. Diese Aufgaben müssen auf zwei «das» verteilt werden.

Analog, aber etwas verzwickter: «Schön, gibts den Wellness-Poeten nun auch digital, und nährt uns arme Seelen mit seiner Weisheit.» Da der Poet, übrigens Paulo Coelho, zuerst im Akkusativ auftritt, muss er als Subjekt nochmals erwähnt werden: «..., und nährt er uns ...»

© Daniel Goldstein