«Woher ich komme»

(Fortsetzung zu «Von wo...»)

Leser Flückiger schlägt für das «von wo» aus dem Duden eine andere Begründung vor: «Beim 'von wo' im Sisyphos-Zitat handelt es sich nicht um die Umschreibung einer Frage, sondern um einen bestimmten Standort.»

«Bund»-Kollege Simon Wälti hat ein weiteres «von wo» aus berufenem Munde gefunden:

Der Junker fand nicht vonnöthen, mir die Hand zu reichen; er musterte nur mein violenfarben Wams und meinte: «Du trägst da einen bunten Federbalg; man wird dich 'Sieur' nun tituliren müssen!» – «Nennt mich, wie's Euch gefällt!» sagte ich, indem wir auf den Hof hinaustreten. «Obschon mir dorten, von wo ich komme, das 'Herr' vor meinem Namen nicht gefehlet – Ihr wißt wohl, Eueres Vaters Sohn hat großes Recht an mir.» (Theodor Storm, Aquis submersus, Reclam, S. 22)

Auch hier handelt es nicht um eine Frage, sondern um eine Standortbestimmung. Bei unserem Serienbalken freilich ebenfalls. Also ginge doch auch: «Von wo ich komme». Allerdings würde ich bei der Angabe einer unbestimmten Herkunft eher sagen: «Egal, woher sie kommen, wir nennen alle 'Herr'» – nicht: «Egal, von wo sie kommen, ...».

Ich vermute wiederum, der Grund liege darin, dass hier die Bestimmtheit fehlt. Damit wären wir erneut bei der Frage, ob die Bestimmtheit im Kopf des jeweils Porträtierten ein «Von wo» rechtfertigt oder ob die Herkunft, weil noch nicht genannt und insofern «fraglich», mit «Woher» zu umschreiben sei. Wofür wir uns entschieden haben? «Woher ich komme» lautet die Formulierung, für die wir bessere Gründe fanden.

Ähnlich, und vielleicht abschliessend, beim berühmten Zitat von Wittgenstein: «Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.» Aber, nicht von ihm: «Die Sache, von der ich spreche, kenne ich bestimmt.»

© Daniel Goldstein