Sinnig – unsinnig

«Marconi war den Faschisten wohlgesonnen.» – Pech, dass dieser Satz im «Bund» stand, kaum hatte Bastian Sick (dem Genitiv sein Retter) am Fernsehen verkündet, weshalb es das letzte Wort nicht gebe: Weil kein Verb «wohlsinnen» existiere, von dem es das Partizip Perfekt (PP) wäre.

Richtig ist «wohlgesinnt», eine Zusammensetzung mit dem Adjektiv «gesinnt». Gemäss neuer Rechtschreibung darf man auch «wohl gesinnt» schreiben, aber der Duden empfiehlt zum Glück die Zusammenschreibung. «Gesonnen» gibt es auch, es bezeichnet eine Absicht: Ich bin gesonnen, obigen Fehler auszumerzen. Laut Universal-Duden ist es in der Tat ein PP: vom veralteten Verb gesinnen = streben, trachten. Das PP von «sinnen» lautet ebenfalls «gesonnen», aber es wäre in dieser Verwendung unsinnig: Niemand sinnt mich ja so, dass ich dann gesonnen bin.

Sinnwort der Woche: «Wenn die Händler nicht ihre Glaubwürdigkeit verlieren wollen, müssen sie jetzt handeln.» – Wie wahr: Was wären das für Händler, wenn sie nicht handelten! (Nebenbei: Besser wäre die Wortstellung «ihre Glaubwürdigkeit nicht verlieren» – es geht ja nicht darum, dass sie vielleicht etwas anderes verlieren wollen.)

Unsinn der Woche: «Teenagerin». Der Duden kennt zwar die Managerin, denn ein englisches Unisex-Wort, einmal eingedeutscht, muss sich auch deutsche Abwandlungen gefallen lassen. Analog kann man «Userin» bilden, obwohl nur der User im Duden steht. Doch der Teenager ist dort ausdrücklich beiderlei Geschlechts. Anders als bei den meisten Wörtern auf -er (im Deutschen wie in Englischen) handelt es sich ja nicht um eine Verb-Ableitung, welche die handelnde Person bezeichnet (nomen actoris, gelt).

© Daniel Goldstein