Malaise am Rallye

In Deutschland werden aus Fremdsprachen übernommene Wörter oft einer Geschlechtsumwandlung unterzogen, vermutlich zur Angleichung an eine als passend empfundene Übersetzung; «die Rallye» soll vielleicht eine Fahrt sein. Wie «die Malaise» zur Weiblichkeit kommt, ist mir schleierhaft, ich vermute eine Analogie zu Mayonnaise. Die ist eine Sauce aus Mayonne, «le malaise» dagegen kommt nicht aus «Male», sondern ist ein «mal-aise».

In der Schweiz übernehmen wir bei Wörtern aus romanischen Sprachen das Geschlecht. Bei den französischen Maskulina wie «le malaise» gilt es aber aufzupassen: Es könnte sich ein Neutrum dahinter verstecken. Das ist auch für Nichtlateiner offensichtlich bei Wörtern auf «-ment» (von «-mentum»), also «das Rassemblement», «das Mouvement». Ob es je im Küchenlatein ein «malasium» gegeben hat, weiss ich nicht. Jedenfalls aber gilt «Malaise, das (schweiz.)» auch gemäss Duden.

Ebenso geben wir Orts- und Organisationsnamen aus den romanischen Sprachen mit dem Originalgeschlecht wieder: die Place Pigalle, der Parti socialiste (streng genommen mit kleinem «s», aber auch in Frankreich wird heute oft ein grosses gesetzt).

Anders beim Englischen: der Trafalgar Square, die Labour Party. Es ist rätselhaft, wie englische Ding-Wörter, von Hause aus neutral («it»), im Deutschen oft männlich oder weiblich werden. Dass wir in der Schweiz «das Rallye» sagen und nicht «die», beruht nicht auf einer Regel: Beim Match sind wir die Geschlechtsumwandler, die Deutschen aber sagen «das Match». In den meisten Fällen gilt im ganzen Sprachgebiet das gleiche Genus, und oft entspricht es jenem eines ähnlichen deutschen Worts: der Drink/Trunk, der Song/Gesang, die Party/Partie. Oder eben Partei, siehe Labour.

Vor solch ansteckenden Geschlechtsumwandlungen ist auch das Französische nicht gefeit: So liest man zuweilen «die Parti Socialiste», und die Espace Media Groupe tritt weiblich auf.

© Daniel Goldstein